Die Sisters im Polittbüro: Paula Irmschler, Turid Müller, Miriam Wurster, Ella Carina Werner

Die Sisters of Comedy: Jetzt und für immer!

Am 12.11. war es wieder soweit: Die Sisters of Comedy haben im ganzen Land die Bühnen erobert und ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung gesetzt.  Im Polittbüro hatten wir ein sehr abwechslungsreiches Lineup mit Literatur, Satire, Cartoons und Musik. Und natürlich haben wir viel PR gemacht, um das Thema Geschlechtergerechtigkeit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Zu diesem Zweck habe ich ein Interview geführt. Hier ist es:

 

TURID  MÜLLER  IM  GESPRÄCH  MIT  TURID  MÜLLER

 

Frau Müller, Sie haben das Pressematerial für die Veranstaltungen in Hamburg zusammengestellt. Mögen Sie erläutern, was Ihnen dabei besonders am Herzen lag?

Gerne doch. In der öffentlichen Wahrnehmung hat das Thema Gleichberechtigung es weiterhin nicht leicht: Wenn es diskutiert wird, dann oft auf Nebenschauplätzen. Das Gespräch dringt selten in die Tiefen der Thematik vor. Der Tenor ist: „Die Frauen haben zwar keinen Grund mehr dafür, regen sich aber auf. Weil sie angeblich nicht gleichgestellt sind.“

 

Interessant. Und welche Themen sind Ihrer Ansicht nach zu kurz gekommen?

 

Ich danke Ihnen für diese Frage. Fangen wir mit der Situation des Interviews selbst an:

In Gesprächen habe ich festgestellt, dass die Reaktion häufig Verwunderung ist: „Oh! Tatsächlich? So erleben Frauen das? Eigenartig! Ich habe nie erlebt, dass das Geschlecht eine Rolle gespielt hat!“ – Demnach könnte in Frage gestellt bleiben, dass es einen Einfluss des Geschlechtes – zum Beispiel auf beruflichen Erfolg – gibt.

Ich glaube, ein Teil der „Challenge“ ist, Menschen unsere Perspektive nahezubringen und verständlich zu machen. Männern – UND auch Frauen. Für beide gilt (im Bild gesprochen): Wer die Ketten nicht spürt, nimmt sie nicht wahr. Ganz gleich, warum die Grenzen für diese Person nicht spürbar sind: Ob ich als Mann nicht auf diese Weise diskriminiert werde, oder als Frau nicht an Grenzen stoße, weil ich in der von meiner Geschlechtsrolle definierten Rahmen bleibe.

Um größere Teile der Gesellschaft davon zu überzeugen, dass der Kampf um Gleichstellung längst nicht ausgefochten ist, müssen wir sie ins Boot holen.

Und diese Idee wird jetzt vermutlich unter Feministinnen für einen Aufschrei sorgen: „Was sollen wir!? – Wir sind es leid, uns zu rechtfertigen!“

Nein! Rechtfertigen sollten wir uns auf keinen Fall. Aber kommunizieren wär‘ hilfreich.

 

Und was würden Sie sich konkret von den Redakteur*innen wünschen?

 

Erstmal schon mal keinen Kommentar darüber, dass ich das eben jetzt gegendert habe. (lacht) Klar! Wenn ich wählen müsste, würde ich auch zugunsten von gleichem Lohn auf die gegenderte Nationalhymne verzichten! Aber ich weiß, wie viel subtilen Einfluss die Sprache auf uns, unser Selbstverständnis und unsere Rollen-Bilder hat. Da lohnt es sich doch glatt für eine Gesellschaft, die Sprache weiter zu entwickeln. Es gibt ja auch lesbarere Varianten als das Sternchen oder das Binnen-I. Macht halt ein wenig Arbeit! Weil es ungewohnt ist. Lohnt sich aber. Da möchte ich mal zitieren:

 

„Gerechte Sprache allein schafft noch keine gerechte Welt.

Aber indem wir sie verwenden, zeigen wir,

dass wir eine gerechte Welt überhaupt wollen.“

Anatol Stefanowitsch in „Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen“

 

Ok. Jetzt wissen wir, was Sie nicht wollen. Und was wünschen Sie sich stattdessen von Seiten der Medien?

 

Zahlen, Daten und Fakten sprechen eine eindeutige Sprache: Es besteht absolut kein Grund dafür, dass wir Frauen uns dafür entschuldigen zu müssen, dass wir uns für Gleichstellung stark machen. Wir sind eben nicht schon seit den 70ern damit durch! Es gibt noch viel zu tun. Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen hat das beispielsweise auf einer Postkarte treffend zusammengefasst: https://www.frauenbeauftragte.org/postkarten-faktencheck

 

Letzte Frage: Welche Vorurteile gegenüber Feminismus empfinden sie am störendsten?

 

Dass es ein Hobby von Männer-Hasserinnen ist. Dass es für die Frauen und gegen die Männer ist. Das Gegenteil ist wahr: Geschlechtergerechtigkeit betrifft uns alle. Denn wir profitieren letztlich alle davon. Auf Werten wie der Gleichbehandlung aller Menschen basiert unsere Gesellschaftsordnung. Um Gleichstellung zu erreichen ist es notwendig, dass wir alle uns bewegen. Nur gemeinsam können wir das schaffen. – Männer, Frauen und alle dazwischen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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