Du gehst im Schlafanzug spazieren
mitten in der Nacht.
Du hast dem Wettermann im Ersten
eine Zeitung mitgebracht.
Du kämmst die Haare mit der Bürste,
die Du im Schuhputzkasten fandst.
Und manchmal kommst du erst zur Ruh,
wenn du im Hausflur mit mir tanzt.

Die Wirklichkeit ist nur ein Wort
und keins, das dich noch hält!
Und darum mache ich mich auf
zu dir in deine Welt,
zu dir in deine Welt.

Du isst dein Frühstück mit der Mama
– die ist schon lange tot.
Du fragst entgeistert, was das sei,
und zeigst aufs Butterbrot.
Du irrst weinend durch die Küche,
sagst mir: „Bring‘n Sie mich nach Haus!“
Und manchmal gehn uns allen beiden
Worte dafür aus…

Die Wirklichkeit ist nur ein Wort
und keins, das dich noch hält!
Und darum mache ich mich auf
zu dir in deine Welt,
zu dir in deine Welt.

Ich find dich
auf der Allee
barfuß im Schnee
– du streichst mir übers Haar,
fängst die Flocken mit dem Mund
und wisperst: „Wunderbar!“

Die Wirklichkeit ist nur ein Wort
und keins, das dich noch hält!
Und darum mache ich mich auf
zu dir in deine Welt,
zu dir in deine Welt.

Der Krisenpapagei
plappert Schlagzeilen – schärfer als Messer.
Welche Pläne wir hatten –
die Nachrichten wissen es besser:
„Es wird schlimm! Es wird schlimm!“
Seine Kernkompetenz ist Geunke.
Tja, und „Simsalabim!“
fehlt dem Tag der gemeinsame Funke.

Komm! Ich treff Dich am Meer
Zwischen Hamburg und Bremen!
Nee, schon klar: Da ist alles leer,
doch das Meer, soll sich – bitte sehr – dahin bequemen!

Auf ein Bier
in der Hand
dort am Strand –
eine Auszeit vom Weltuntergang!
Ein Tag frei!
So wie früher!
Normal!
Und wir fülln unsern Tank
Für die Zeit im Exil
Der eigenen Wände.
Schließ die Augen und folg mir ans Meer!
Komm, nimm meine Hände!

Der Weg war nie so weit,
denn das Bahnfahren ist jetzt gefährlich!
Tja, was nützt mir die Bahncard? –
Ein Auto wär grad unentbehrlich…
„Alle tot! Alle tot!“
Ich darf eh bald nicht mehr aus der Hütte,
weil sonst Schlimmeres droht. –
Komm, wir treffen uns frech in der Mitte!

Komm! Ich treff Dich am Meer
Zwischen Hamburg und Bremen!
Nee, schon klar: Da ist alles leer,
doch das Meer, soll sich – bitte sehr – dahin bequemen!
Auf ein Bier
in der Hand
dort am Strand –
eine Auszeit vom Weltuntergang!
Ein Tag frei!
So wie früher!
Normal!
Und wir fülln unsern Tank
Für die Zeit im Exil
Der eigenen Wände.
Schließ die Augen und folg mir ans Meer!
Komm, nimm meine Hände!

Wenn alles vorbei ist – vielleicht im Oktober –
Das Ende der Welt und der ganze Zinnober,
dann fahren wir echt an das nächstbeste Meer!
Doch bis es soweit ist, komm mal her! Los!

Komm! Ich treff Dich am Meer
Zwischen Hamburg und Bremen!
Nee, schon klar: Da ist alles leer,
doch das Meer, soll sich – bitte sehr – dahin bequemen!

Auf ein Bier
in der Hand
dort am Strand –
eine Auszeit vom Weltuntergang!
Ein Tag frei!
So wie früher!
Normal!
Und wir fülln unsern Tank
Für die Zeit im Exil
Der eigenen Wände.
Schließ die Augen und folg mir ans Meer!
Komm, nimm meine Hände!
Komm, nimm meine Hände!

Wissen was man wert ist, und immer dazu stehn.
Für jemanden die Welt sein und sich nicht dafür verdrehn.
Sich selber ernst zu nehmen, auch und grad bei eignen Macken.
Sich nicht für sich zu schämen, den Schalk immer im Nacken.
Ein Teil von etwas Großem sein, und das vielleicht erst ab halb zehn.
Selbst wenn man nicht ganz unversehrt ist mit Vertraun nach vorne sehn.

Würde ist erst mal nur ein Wort.
Es steht im Wörterbuch bei „W“.
Und in Artikel 1 ganz vorn.
Dort steht es für eine Idee.
Der Artikel macht den Unterschied.
Mit Würde geht das Menschsein los.
Doch Würde ist kein Konjunktiv.
Würde schreibt man groß.

Das, was da ist schätzen, und nicht nur sehn was fehlt.
Ein Mensch sein unter Menschen – das ist was beseelt.
Wärme kommt von Reiben. Leben, das heißt Brücken bauen.
Beharrlich dran zu bleiben, auf Augenhöhe schauen.
Das Glück lässt sich auf viele Arten finden, das Schicksal ist nicht selbstgewählt.
Nicht alles lässt sich überwinden. – Der Versuch ist das, was zählt.

Würde ist erst mal nur ein Wort.
Es steht im Wörterbuch bei „W“.
Und in Artikel 1 ganz vorn.
Dort steht es für eine Idee.
Der Artikel macht den Unterschied.
Mit Würde geht das Menschsein los.
Doch Würde ist kein Konjunktiv.
Würde schreibt man groß.

Alles sind wir etwas ramponiert,
vom Leben mit Schrammen verziert –
als ob es seine Zeilen auf uns schriebe:
Zu sein ist Grund genug für Liebe!
Zu sein ist Grund genug für Liebe!
Zu sein ist Grund genug für Liebe!
Zu sein ist Grund genug für Liebe!

Aber: Würde ist erstmal nur ein Wort.