TEILZEITZEICHEN

GEREIMTES auf UNGEREIMTES

Die Teilzeitrebellin schreibt – Anstoß-Gebete, Naseweisheiten und kurze Texte zum TeilZeitgeist.

17.05.2018

Verehrter Freund

(Oder: 40 Jahre Spam-Mail)

Verehrter Freund, Sie haben Glück:
Heut schreib ich endlich mal zurück!
Im Radio hab ichs grad erfahr’n:
Sie mailen mir seit 40 Jahr’n!
Ich denk, da ist es endlich dran,
dass man zum Duzen wechseln kann:
Du warst ein ständiger Begleiter
und Deine Zeilen zeugten heiter
von wahrer Freundschaft, von Vertrau’n.
Auf Deine Zeilen konnt ich bau’n!
Und rief auch kein Schwein bei mir an –
Du bliebst mit langem Atem dran!

Du schriebst – erst in gebroch’nen Worten
von zu viel Geld an fremden Orten
und – langsam auf geschliff’ne Art –
Dein Geld sei bei mir gut verwahrt.
Drum sollt ich schnell mal gerade eben
Dir meine Kontonummer geben.

Du maltest voller Fantasie
Geschichten aus, oh Bel-Ami!
Und würd’st Du mir auch nie mehr schreiben –
die Erinnerungen bleiben.
Sie liegen sicher – Gott sei Dank! –
in einem Ordner namens „Junk“.

06.05.2018

Das Kreuz mit dem Kreuz

In jedem Winkel hängts – zum Zwecke
des Fischens in der rechten Ecke.
Der Menschenfischer (mein Verdacht)
hätt diese Herrn in Tracht verlacht.
Durchs Kreuz die Andersdenkenden zu kränken? –
Die CSU hat kaum Bedenken:
„Verfassung hin, Verfassung her!
Die interessiert nur peripher!“
Der Kreuzzug Bayerns ist nicht klug
und mehr als nur kein guter Zug.

Auf jeden Fall die Rechten freut’s,
die dumme Sache mit dem Kreuz.
In ihre Hörner bläst schon wieder
die CSU die alten Lieder.
Klar, dass der leid‘ge Muselmann
die CSU mal kreuzweis‘ kann.
Das Moslem-Bashing (längst ein Boom) –
jetzt trifft es auch das Judentum.
Die noch an dieser Denke siechen,
die müssten mal zu Kreuze kriechen…!

04.03.2018

Die Reise ins Morgenland

(Oder: Herr K. schult um)

Man müsse wissen, wann man geschlagen ist,
sagte K., bis dato Kabarettist.

Den Blick gesenkt aufs Antragsformular
legt er dem Fritzen vom Jobcenter nah,
es sei an der Zeit, das Handtuch zu schmeißen,
wenn jene sich nicht am Riemen reißen,

die den Wettbewerb am Markt versauen
und frech satirische Inhalte klauen:
Mit welchen Taten die Typen so prahlen,
das sei mit Fantasie nicht auszumalen!

Allein, dass man in rechten Kreisen
drauf kommt, nach Syrien zu reisen!
Dann ihre Art zu recherchieren –
das ließe sich nicht karikieren!

Man könne das nicht überspitzen,
wenn sie bei Drinks und Pool-Blick schwitzen
und konstatiern – voll Sachverstand:
„Dies ist ein sichres Herkunftsland.“

Lang angebahnt … dies sei der Gnadenstoß;
nun wär man schlichtweg arbeitslos:
Mit diesen Clowns um Lacher buhlen?!? –
Es sei wohl Zeit, nun umzuschulen.

Einzige Antwort auf die „Ego-Schooter“:
die herzliche Einladung nach Ost-Ghouta,
ausgesprochen dort von jenen,
die sich nach Flucht ins Ausland sehnen,

sagte K., bis dato Kabarettist.
Man müsse wissen, wann man geschlagen ist.

06.01.2018

Lautes Schweigen

(Oder :In tiefer Solidarität mit der persischen Freiheitsbewegung.)

Wenn die Nachrichten mal wieder Teheran zeigen:
Wenn Mullahs blasen, zum blutigen Reigen,
wenn deutsche Demokraten sich der Wirtschaft neigen,
sich zur Ermahnung der Demonstranten versteigen.
Wenn selbst ein Trumpeltier mehr Mumm zu haben scheint als diese feigen…!

Dann ist dieser Tage meinem Land wohl wieder eines eigen:
Lautes Schweigen.

12.05.2018

Zucht. – In Ordnung?

(Oder: Identitätskrise auf vier Beinen)

Eine Dame dreht ihr Ründchen
und führt zur Schau: Ein Deko-Hündchen.
Der Wolf ist kaum mehr zu erkennen –
eher ‚Ratte‘ würd man das wohl nennen.
Die Frau von Welt – scheints – denkt das auch:
Das Viech schleift achtlos auf dem Bauch,
als sie es an der Leine zieht,
und sich im Park nach Herrn umsieht.
Schon fällt ihr Blick auf einen Mann,
der … sich sehen lassen kann!
Doch ist sein Hund ihr nicht geheuer –
gebranntes Kind scheut wohl das Feuer.
„Ob ihn der Jagdinstinkt befällt,
weil er den Knirps für Beute hält?“
Sie bremst durch Ziehen an der Leine –
dem Pelz-Knäul bricht das fast die Beine.
Das Herrchen lässt den Boxer scheißen
und beruhigt: „Der wird nicht beißen!“
Ermutigt kommt Madam nun näher
und flirtet mit dem Kopf-Verdreher
derweil ihr Fiffi mit Genöle
am Hintern schnuppert von der Töle.
Frauchen wird davon nicht stutzig.
Lächelnd seufzt sie: „Ach, wie putzig!“
Mit Timing – nicht zu übertreffen –
fängts bei „putzig!“ an zu kläffen:
Aufs Stichwort beißt der so Benannte
das Quietsche-Hündchen von der Tante,
die – das Ende von dem Lied –
selbst quietscht und mit dem Schoßhund flieht.

Der Boxer führt den Herrn nachhaus –
sie sehn durchaus zufrieden aus.

05.05.2018

Zum Geburtstag

(Oder: Marx vermurkst)

Ob er sich wohl im Grab umdreht,
wenn er sie sieht, die Gabe,
die ich zu seinem Ehrentag
grad liefern lassen habe?
Ein Shirt mit seinem Konterfei
(Na, ahnt Ihrs etwa schon?)
Geliefert wurd von DHL,
bestellt bei Amazon.

04.03.2018

Essen in Essen

(Oder: Wenn abgelaufener Scheibenkäse zum Politikum wird.)

In Essen gibts kein Essen mehr –
zu viele Esser aßens leer.
Kurz darauf schon gabs Alarm:
Arm kämpft wieder gegen Arm.

Die Retter der Tafel haben gesprochen;
statt Brot wurde mit den Prinzipien gebrochen:
Ein Mahl nur für Deutsche auf Rente und Hartz! –
Die Braunen am Jubeln, die Roten sehn schwarz.

Das Ansteh-Verhalten – ein weiterer Grund,
ein „Mangel an Anstell-Kultur“ der Befund.
Doch beim großen Gerangel um Trank und Speis
sei’n – so manche Gegner – schwarze Schafe oft weiß!

Nicht „deutsch-sein oder nicht“ sei folglich die Frage,
eher „Anstand oder nicht“ trotz schwieriger Lage,
wenn in viel zu langen Warteschlangen
Wartende um Ware bangen.

Der Shitstorm stürmte also sehr…
… im Wasserglas – und zwar halb-LEER.
An offnen Grenzen liegt das nicht –
mit offnen Märkten geh‘ man ins Gericht:

Die Politik – jetzt sehr geschockt –
hat uns die Suppe eingebrockt.
Dass Tausende zur Tafel gehn,
kann sie als Armutszeugnis sehn:

Die Marktwirtschaft ist unsozial. –
Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Da hatte wohl der alte Brecht
mal wieder recht…

31.12.2017

Gute Vorsätze

Wieder geht ein Jahr zu Ende.
Man spuckt mutig in die Hände,
stimmt sich auf bessre Zeiten ein
und schwört, ein bessrer Mensch zu sein.

Doch am 1. stört der Kater,
am 2. gibt es Stress mit Vater.
Am 3. ruht man davon aus;
dann kreuzt die Leber eine Laus.
Dann sind die Ferien bald vorbei,
die Arbeitswoche schwer wie Blei. –
Es gibt so viele gute Gründe…!
Doch nichts ist leichter als die Sünde.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Die Wochen stehen ihm Spalier.
Schon jährt sich bald die Jahreswende.
Einzig reibt sich nun die Hände,
wer verdient an diesem Brauch:
mit Fitness, Fasten, feinem Fummel,
Feuerwerk und Böller-Rummel. –
Der ganze Rest ist Schall und Rauch.